Das Insektensterben ist längst spürbar
Das Insektensterben ist in aller Munde – und das nicht nur wegen der zahlreichen Studien, welche den starken Rückgang untermauern. Auch an der eigenen Windschutzscheibe und bei Spaziergängen lässt sich dieser Wandel in der Natur oft selbst beobachten.
Dieser Rückgang hat viele komplexe Ursachen wie unter anderem die intensive Landwirtschaft, fortschreitende Flächenversiegelung und Nährstoffeinträge. Daran kann der Einzelne im großen Maßstab kaum etwas ändern.
Der Einfluss unserer Gärten wird oft unterschätzt
Was jedoch vielen nicht bewusst ist: Auch die Art und Weise der modernen Gartengestaltung hat einen spürbaren Einfluss auf die Lebensbedingungen von Insekten. Schätzungen zufolge entspricht die Gesamtfläche aller Gärten in Deutschland in etwa der Fläche unserer Naturschutzgebiete. Dieses Potenzial bleibt oft ungenutzt.
In vielen klassischen Gärten finden sich häufig Zierpflanzen aus fernen Regionen. Diese mögen zwar prächtig und lange blühen, bieten der heimischen Tierwelt jedoch oft nur einen sehr geringen ökologischen Nutzen, da sie als Nahrungsquelle oder Brutstätte ungeeignet sind.
Auch manche beliebten Pflanzen aus dem Gartencenter wie Lavendel oder Rosmarin decken nur einen Teil des Bedarfs. Sie ziehen zwar Honigbienen und einige häufige Hummel-Arten an, helfen den spezialisierten und besonders gefährdeten Insektenarten jedoch meist nicht weiter, da diese völlig andere Futterpflanzen benötigen.
Heimische Pflanzen als Schlüssel zur Artenvielfalt
Ein Großteil der bei uns vorkommenden Insektenarten gehört zu den sogenannten Spezialisten. Das bedeutet, sie sind für ihre Fortpflanzung und die Ernährung ihrer Nachkommen auf ganz bestimmte, heimische Pflanzenarten angewiesen. Fehlen diese Schlüsselpflanzen, schwindet auch die Lebensgrundlage für die spezialisierten Insekten in der jeweiligen Region.
Wenn wir hingegen gezielt auf heimische Pflanzen setzen, schaffen wir wertvolle Lebensräume und leisten einen aktiven Beitrag zur Unterstützung der lokalen Biodiversität. Selbst auf kleineren Flächen besteht so die Chance, dass sich nach kurzer Zeit verschiedene Insektenarten einfinden. Gestalten wir gemeinsam wertvolle Trittsteinbiotope für unsere heimische Pflanzen- und Tierwelt!
Über Kennzeichnungen & Stolperfallen beim Pflanzenkauf
Es ist erfreulich zu sehen, wie viele Menschen sich aktiv für den Schutz von Insekten engagieren möchten. Um dieser Nachfrage gerecht zu werden, bietet der Handel mittlerweile zahlreiche Gewächse mit Kennzeichnungen wie „Bienenweide“ oder „Insektenmagnet“ an. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch häufig, dass es sich dabei um Zierpflanzen aus anderen Vegetationszonen handelt. Diese können zwar Generalisten wie Honigbienen als Nahrungsquelle dienen, bieten der Mehrheit unserer spezialisierten, heimischen Insektenarten jedoch oft nicht die benötigte Lebensgrundlage.
Zudem weisen Naturschutzorganisationen regelmäßig darauf hin, dass im konventionellen Zierpflanzenanbau unter Umständen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden und die Aufzucht in vielen Fällen auf torfbasierten Substraten erfolgt. Der damit verbundene Torfabbau stellt bekanntermaßen eine erhebliche Belastung für Moor-Ökosysteme dar. Bei der Auswahl unserer Pflanzen achten wir daher gezielt auf transparente Herkunftsnachweise und naturnahe Produktionsbedingungen.